Lorin Maazel
Sie waren mit 30 Jahren der jüngste Dirigent in Bayreuth und der erste Amerikaner auf dem Hügel. War das eine besondere Erfahrung?
Es war eine grosse Ehre für mich. In erster Linie die Arbeit mit Wieland Wagner – einem ganz grossen Regisseur. Mit ihm habe ich nicht nur den Lohengrin in Bayreuth gemacht, sondern auch sein Italien-Debüt an der Scala organisiert und dirigiert. Damals haben die Nilsson und Windgassen im legendären Tristan gesungen. Für die Italiener war Wieland Wagners Interpretation, besonders die Beleuchtung und die Kraft seiner Farben, absolutes Neuland.
Wie war die konkrete Zusammenarbeit mit diesem Haudegen und Erben in Sachen Wagner?
Wieland Wagner war viel älter als ich und kam au seiner Generation, in der man wenig miteinander gesprochen hat. Er war der unangefochtene Chef. Dabei war er aber immer sehr ehrlich. Einige empfanden ihm als hochmütig. Doch er war nur selbstbewusst – und das zu Recht. Wieland kam zu jeder musikalischen Probe und sagte mir: "Ich habe verstanden, dass bei meinem Grossvater alles aus der Musik kommt. Ich will mich für meine Regie von ihrer Interpretation beeinflussen lassen." Und ich glaube, das hat er auch getan. Er hat hingehört und eine zutiefst musikalische Arbeit abgeliefert. Das ist heute bei Regisseuren leider sehr selten geworden. […] Das neue Schwergewicht der Regie halte ich für fragwürdig. Der Komponist hat durch seine Musik eine sehr genaue Interpretation des Textes vorgegeben. Verdi und Puccini waren Dramaturgen, die minuziös geplant haben, wie lange eine Szene dauern konnte, welche Arie welchem Chor folgte und welche Harmonien die Spannungen halten. Das alles sollte man respektieren. Die Musik ist das Herz des Unternehmens Oper. Die Regie sollte als Unterstützung agieren. Wenn nun ein Jugenspund daherkommt, der – vielleicht aus guten Beweggründen – meint, die Kunstform Oper erneuern zu müssen, und die Grundidee gewaltig gegen den Strich bürstet, halte ich das für unnütz. Klassik kann nicht durch einen MTV-Stil erneuert warden.
Lorin Maazel interviewed by Das Opernglas 7/8 2000





